Gehörlose

Als Service für gehörlose Bürgerinnen und Bürger bieten wir Ihnen hier eine Auswahl an Beiträgen unserer Sendung an, die wir inhaltlich verschriftlicht haben.

20 Jahre "Spirit of Joy" -
Beitrag aus der Sendung vom 25.02.2019

Redakteurin: Ann-Christin Bergau

 

 

 

 

 

Zu Besuch bei der Chorprobe des Gospelchors „Spirit of Joy“ in Recklinghausen

Am Dienstagabend durften wir bei der Probe des Recklinghäuser Gospelchors „Spirit of Joy“ dabei sein.

 

Freundlich und offen empfingen uns Frau Möller und Herr Klee, welche uns Fakten und Details rund um den Chor verrieten.

 

Seit rund 20 Jahren gibt es den Gospelchor in Recklinghausen, ins Leben gerufen von der Musiklehrerin Andrea Möller und dem damaligen Pfarrer der Gastkirche, Bernhard Lübbering. 1998 startete das Projekt mit 13 Mitgliedern, heute sind 53 Männer und Frauen Teil des „Spirit of Joy“.

 

Den Ursprung hat der Gospel in der afrikanischen Kirchenmusik mit Zügen des Jazz und des Blues. Diese Musikrichtung bahnte sich in den 1990er Jahren ihren Weg nach Europa, vor allem in Skandinavien erfreute sich die Gospelszene großer Beliebtheit. Etwa zeitgleich eroberte der Film „Sister Act“ die Kinos – „ob hier ein „Stein ins Rollen“ gebracht wurde?“, fragen wir. Möller erwidert schmunzelnd, dass eben die Grundschritte und das Klatschen, ähnlich wie in dem Film Sister Act, ein Stück lebendig machen. Für sie hat der Gospel sich im Laufe der Jahre verändert: Er vereint traditionelle Stücke wie „Go down Moses“ mit moderner Musik.

 

Dies zeigen die Sängerinnen und Sänger des „Spirit of Joy“ im drei- bis fünfstimmigen Satz, bei Auftritten für die Gastkirche immer am 1. Advent in der Gemeinde St.Peter und Pfingstsamstag in der Gymnasialkirche. Im Jahr 2018 gab es weitere Auftritte, zum Beispiel am Katholikentag (politisches Nachtgebet von Pax Christi in der Petrikirche in Münster), ein Benefizkonzert zu Gunsten des "Gartens der Religionen" in St. Franziskus sowie ein Auftritt beim "Herbstgeflüster" in Castrop-Rauxel.

 

Außerdem füllt sich der Veranstaltungskalender der 14 (!) Männer und 39 Frauen mit Auftritten auf Hochzeiten oder privaten Veranstaltungen, so Andrea Möller weiter.

 

Es ist 19.30 Uhr und langsam füllt sich die Gastkirche. Wir nutzen die Gelegenheit und interviewen die Chormitglieder, was sie zum Gospel bewegt hat. Frau Jahn ist seit einem halben Jahr dabei. Sie schätzt die Unterschiede in der Musikrichtung.

 

Annette Katter, die seit 21 Jahren dabei ist, ergänzt, die Freude am Singen. Zudem sei das Singen positiv für die Atmung und es hebt die Stimmung. „Es ist eine schöne Art zu singen und man kann einfach einsteigen“, schwärmt Fatter. „Im Vordergrund steht die Freude“.

 

Gerd Pieker, seit 20 Jahren Teil des „Spirit of Joy“, berichtet uns von der tollen Gemeinschaft. Er unterstützt Andrea Möller und ihre Begleitung auf dem Klavier, teilweise mit der Trommel. Ein weiteres Gründungsmitglied, Klaudia Wirrer kommt extra aus Dorsten zu den Proben. Die Lebendigkeit des Gospel, die Gemeinschaft und auch die Freundschaft stehen für sie mit der Qualität des Chors im Mittelpunkt.

 

Das älteste Mitglied, Herr Dr. Eberhard Blank, ist 88 Jahre alt und durch seine Enkeltochter an den Gospel gekommen. Er fuhr sie vor einigen Jahren zu den Proben und wartete mit ihr. Er war direkt so begeistert, dass er blieb.

 

Wenn wir uns in der Gastkirche umsehen, sind nicht mehr viele Stühle frei. Wir fragen nach, ob es noch Plätze gibt und was man mitbringen muss. „Gerne kann sich noch der ein oder andere Mann melden, aber willkommen ist jeder. Man muss keine Aufnahmeprüfung machen. Erfahrung ist schön aber kein Muss. Schön, wenn man die englische Sprache beherrscht.“, erklärt Frau Möller. Herr Klee ergänzt: „Die Freude an der Musik und an der Gemeinschaft stehen im Vordergrund.“

 

Wir fragen, ob der Glaube Voraussetzung ist, um Teil des „Spirit of Joy“ zu werden. Frau Möller erklärt, dass die Chormitglieder alle unterschiedliche Konfessionen haben und jeder willkommen ist, eine kirchliche Grundhaltung aber von Vorteil sein kann. „Aber vielleicht kommt man ja durch den Gospel an den Glauben“.

 

Welche Ziele haben die Sängerinnen und Sänger für die nächsten Jahre? Neben Auftritten vor 400 Menschen steht für alle fest: „Wir wollen so glücklich bleiben“.

 

Damit endet unser Interview und der Chor lockert sich mit Stimm- und Atemübungen auf. Wir dürfen zuerst das Lied „Come let us sing“, durch Andrea Möller am Klavier und Herrn Pieker an der Trommel begleitet, hören. Danach folgt „Kyrie eleison“, ein afrikanisches Gospellied.

 

Nach den zwei Liedern können wir nun verstehen, was die Sängerinnen und Sänger meinten – dieser Chor strahlt viel Energie und Freude aus. Es war eine tolle Atmosphäre und wir blickten ausnahmslos in fröhliche Gesichter. Wir freuen uns auf den nächsten Auftritt von „Spirit of Joy“ und werden bestimmt dabei sein!